Race-News

22.09.2015

Kenianer Eliud Kipchoge und Emmanuel Mutai wollen in Berlin die nächste Weltrekordjagd starten

Am Sonntag kündigt sich der nächste superschnelle BMW Berlin-Marathon an: Eliud Kipchoge will zusammen mit seinem Trainingspartner Emmanuel Mutai den Weltrekord angreifen, den ihr kenianischer Landsmann Dennis Kimetto erst vor einem Jahr in der deutschen Hauptstadt auf 2:02:57 Stunden verbessert hatte. Kichoge und Mutai sind zwei von vier Athleten, die mit Bestzeiten von unter 2:05 Stunden ins Rennen gehen – eine solche Breite in der absoluten Spitze gab es in der Geschichte des BERLIN-MARATHON, die 1974 im Grunewald begann, noch nie. 41.224 Läufer aus 127 Nationen wurden für den spektakulärsten deutschen Straßenlauf vom Veranstalter zugelassen.

Das Rennen der Männer: Fällt der dritte Weltrekord in Folge?

Zuletzt zweimal in Folge und dreimal in den vergangenen vier Jahren wurde in Berlin ein Weltrekord aufgestellt, fünf globale Bestzeiten gab es seit 2007 im Männerrennen. Das ist eine einmalige Bilanz in der Geschichte des Marathonlaufes. Seit zwölf Jahren – damals rannte der Kenianer Paul Tergat in Berlin mit 2:04:55 als erster unter 2:05 Stunden – hat Berlin den Weltrekord quasi „gepachtet“. Nirgendwo anders fiel seitdem eine globale Bestzeit.

Wenn sich die besten Marathonläufer der Welt für einen Start in Berlin entscheiden und nicht für eines der Rennen, die deutlich höhere Prämien und Startgelder bieten, haben sie vor allem eines im Sinn: schnelle Zeiten und einen Angriff auf den Weltrekord. Dieses Profil passt auf Eliud Kipchoge und Emmanuel Mutai. Kipchoge hat seit seinem zweiten Platz in Berlin 2013 alle seine folgenden großen drei Marathonrennen gewonnen: Rotterdam im Frühjahr 2014, Chicago im Herbst 2015, wo er unter anderen den äthiopischen Superstar Kenenisa Bekele hinter sich ließ, und schließlich im April den bestbesetzten City-Marathon des Jahres in London. Seine Berliner Bestzeit aus 2013 (2:04:05 Stunden) konnte Kipchoge bei seiner Siegserie nicht unterbieten, doch der 30-jährige Kenianer führt mit 2:04:42 die Jahresweltbestenliste an. Er ist zurzeit der Läufer, den es zu schlagen gilt.

Eliud Kipchoge trifft allerdings auf starke Konkurrenz. Zuerst ist hier Emmanuel Mutai zu nennen, der drittschnellste Marathonläufer aller Zeiten. Mutai war im vergangenen Jahr in Berlin Zweiter hinter dem Weltrekordler Dennis Kimetto (2:02:57 Stunden) und lief herausragende 2:03:13. Damit blieb Mutai ebenfalls noch unter dem alten Weltrekord. In diesem Frühjahr war der ebenfalls 30-jährige Kenianer nicht in Bestform. In London reichte es im April nur zu Rang elf in 2:10:54 Stunden. Doch das kann am Sonntag ganz anders sein.

Der zweite große Konkurrent von Kipchoge könnte in Berlin Geoffrey Mutai sein, der nicht mit Emmanuel Mutai verwandt ist. Er lief beim Boston-Marathon 2011 einen sensationellen Streckenrekord von 2:03:02 Stunden. Da die dortige Punkt-zu-Punkt-Strecke nicht die Kriterien für die Anerkennung von Rekorden erfüllt, konnte diese Zeit nicht als Weltrekord gelistet werden. Mutai hält übrigens nicht nur den Boston- sondern auch den New York-Marathon-Streckenrekord mit beachtlichen 2:05:06 Stunden. Den BMW Berlin-Marathon hat er ebenfalls bereits gewonnen: Nach einem zweiten Platz 2010 siegte er 2012 mit 2:04:15. An seine besten Zeiten kam der 33-Jährige seitdem nicht mehr heran. Doch auf der schnellen Berliner Strecke könnte sich Geoffrey Mutai zurückmelden.

Während vieles in Berlin für einen erneuten Sieg eines Kenianers spricht, kann aber auch ein Äthiopier eine sehr starke Rolle spielen: Feyisa Lelisa lief seine Bestzeit von 2:04:52 vor drei Jahren in Chicago, wo er als Zweiter ins Ziel kam.

André Pollmächer (Rhein Marathon Düsseldorf) ist der aussichtsreichste deutsche Läufer im Männerfeld. Vor zwei Jahren stellte er in Berlin mit 2:13:05 Stunden seine Bestzeit auf, dann lief er auf einen starken achten Platz bei den Europameisterschaften in Zürich 2014. Nun kommt er nach Berlin zurück, um die Olympianorm von 2:12:15 Stunden zu unterbieten.

Drei weitere deutsche Topläufer gehen am Sonntag ins Rennen: Falk Cierpinski (SG Spergau) lief das beste Marathonrennen seiner Karriere in Berlin. Das allerdings ist inzwischen schon einige Jahre her. 2008 erreichte er 2:13:30 Stunden. In der Folge stoppten ihn immer wieder Verletzungen oder Krankheiten. Doch Falk Cierpinski gibt nicht auf: „Ich möchte meine persönliche Bestzeit noch unterbieten“, sagte der 37-Jährige, nachdem er im Frühjahr beim Hannover-Marathon aufgrund von Muskelproblemen das Rennen vorzeitig beendet hatte.

Julian Flügel (TSG 08 Roth) lief im vergangenen Jahr in Hamburg sein Marathon-Debüt und erreichte dabei mit 2:15:39 Stunden eine für deutsche Verhältnisse ordentliche Zeit. Der frühere Bahn-Langstreckler steigerte sich dann in Frankfurt im Herbst auf 2:14:20. Vielleicht gelingt dem 29-Jährigen auf der schnellen Berliner Strecke eine weitere Verbesserung.

Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg) will am Sonntag erstmals das Ziel eines Marathons erreichen, nachdem er bei seinem Debüt in Frankfurt vor einem Jahr vorzeitig ausgestiegen war. Gelingt ihm eine Zeit unter 2:15 Stunden wäre dies schon ein Erfolg.

Das Rennen der Frauen: Geht es unter 2:20 Stunden?

Die 2:20 Stunden sind nach wie vor eine sehr große Barriere im Frauen-Marathon. Im Jahr 2001 durchbrach die erste Frau diese Traumgrenze: Naoko Takahashi lief in Berlin 2:19:46. Doch erst eine handvoll Zeiten unter 2:20 gab es in Berlin bisher – zuletzt durch Florence Kiplagat, die 2011 mit 2:19:44 gewann.

Eine die schon mehrfach Zeiten zwischen 2:20 und 2:23 Stunden gelaufen ist, trifft am Sonntag auf eine Marathon-Newcomerin, die im ersten Versuch nur haarscharf eine Zeit unter 2:20 verpasste. Die Äthiopierin Aberu Kebede hat in Berlin bereits 2010 und 2012 gewonnen. Sie ist eine Siegläuferin: 2010 gewann sie in Rotterdam, 2013 zunächst in Tokio sowie dann in Shanghai und 2014 in Frankfurt. Doch Sieg Nummer drei könnte in Berlin sehr schwierig werden. Denn Gladys Cherono ist Kenias neueste Marathon-Weltklasseläuferin. Sie lief in Dubai im Januar das drittschnellste Marathon-Debüt aller Zeiten und war nur eine Sekunde hinter Aselefech Mergia (Äthiopien) mit 2:20:03 im Ziel. Die amtierende Halbmarathon-Weltmeisterin verfügt über eine sehr starke Grundschnelligkeit, was ihr zweiter Platz bei der WM 2013 im 10.000-m-Finale beweist. Gladys Cherono sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr in Berlin starten. Doch eine Verletzung führte zur Verschiebung ihres Marathon-Debüts. Wenn sie am Sonntag in guter Form ist, darf man einiges erwarten.

Eine gute Rolle spielen könnte in Berlin auch Meseret Hailu (Ähtiopien). Sie hat eine Bestzeit von 2:21:09 Stunden, an die sie allerdings in den letzten zwei Jahren nicht mehr herangekommen ist. Immerhin zeigte Hailu im Frühjahr einen Aufwärtstrend: Sie gewann in Hamburg mit 2:25:41. Stärker einzuschätzen ist zurzeit aber ihre Landsfrau Tadelech Bekele, die im vergangenen Jahr in Berlin ein starkes Marathon-Debüt lief. Mit 2:23:02 wurde sie damals Vierte. Diese Zeit verbesserte Bekele im Januar in Dubai auf 2:22:51.

Anna Hahner wird zum dritten Mal in ihrer Karriere beim BMW Berlin-Marathon an den Start gehen. Die 25-jährige Athletin, die in Gengenbach (Schwarzwald) wohnt und für Run2Sky startet, ist zurzeit Deutschlands beste Marathonläuferin. Seit ihrer Marathon-Premiere 2012 hat sie sich kontinuierlich gesteigert. Anna Hahner lief im vergangenen Jahr in Berlin mit 2:26:44 Stunden ihre aktuelle persönliche Bestzeit. Ihr größter Erfolg gelang ihr im Frühjahr 2014. Damals gewann sie sensationell den Vienna City Marathon in 2:28:59. Am Sonntag hat sie zwei Zeiten im Blick: Ihren persönlichen Rekord und die Olympianorm von 2:28:30.

Nach ihren letzten Rennen lässt sich die Form von Anna Hahner schwer einschätzen. Einen Aufwärtstrend verzeichnete Fate Tola (LG Braunschweig), die bei den Deutschen Meisterschaften über 10 km Anfang September 31:56 Minuten lief und gewann. Die Äthiopierin, die seit Jahren in Deutschland lebt und hier eine Familie gründete, hat die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Fate Tola hat eine Bestzeit von 2:25:14 Stunden. Nach einer Babypause lief sie im April in Wien ihr Marathon-Comeback, brach dort jedoch in der zweiten Hälfte des Rennens ein und belegte schließlich Rang sieben mit 2:34:43 – zwei Plätze hinter Anna Hahner.

Marathon-Weltrekorde in Berlin

1977 Christa Vahlensieck (Wuppertal) 2:34:48 *
1998 Ronaldo da Costa (BRA) 2:06:05
1999 Tegla Loroupe (KEN) 2:20:43
2001 Naoko Takahashi (JPN) 2:19:46
2003 Paul Tergat (KEN) 2:04:55
2007 Haile Gebrselassie (ETH) 2:04:26
2008 Haile Gebrselassie (ETH) 2:03:59
2011 Patrick Makau (KEN) 2:03:38
2013 Wilson Kipsang (KEN) 2:03:23
2014 Dennis Kimetto (KEN) 2:02:57

* bei den Deutschen Meisterschaften, die im Rahmen des BERLIN-MARATHON stattfanden

Text: race-news-service.com

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